Ein absurder Schulterschluss

Es braucht echtes Talent, um gleichzeitig Regenbogenfahnen zu schwenken und Männern die Hand zu schütteln, die Homosexualität für eine Krankheit halten.

Die extreme Linke hat dieses Talent entwickelt und jahrelang geübt. Inzwischen sitzt es. Ihre Moral ist einfach. Man teilt die Welt in Unterdrücker und Unterdrückte. Wer unterdrückt ist, hat erst einmal per se recht.

Diese beiden Gruppen haben sich gefunden. Nicht beim Tanzen. Aber beim gemeinsamen Hassen. Und das verbindet bekanntlich mehr als jeder enge Stehblues.

Man muss verstehen, wie das passiert ist. Die Linke, nicht als Partei, sondern als Gefühlszustand, hatte jahrzehntelang ein überschaubares Weltbild: Der Feind ist weiß, trägt Anzug, wählt konservativ und hat Kapitalismus als Geschäftsmodell. Klar, umrissen und leicht erkennbar.

Dann kamen Einwanderung und Identitätspolitik. Und plötzlich stand da ein neuer Charakter im Raum: der muslimische Migrant. Der neue Unterdrückte. Der Platzhalter für alles, was der Westen falsch gemacht hat.

Wer unterdrückt ist, kann im linken Weltbild nicht Täter sein. Der Unterdrückte ist höchstens strukturell provoziert. Oder von der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen. So entstand eine große neue Theorie: Wer den Islam kritisiert, ist ein Nazi und auf dem Weg zur AfD. Wer auf islamische Homofeindlichkeit hinweist, betreibt antimuslimischen Rassismus. Wer fragt, ob die Scharia mit dem Grundgesetz vereinbar sei, hat wohl im Inklusions-Seminar geschlafen.

Inzwischen gibt es eine bewährte Methode, unangenehme Fakten gesellschaftsverträglich zu machen. Man baut sich einfach nur die richtige Sprache.

Aus homophober Gewalt von jungen Männern mit islamischem Hintergrund wird: Männlichkeitskrise in prekären Milieus.

Antisemitische Demo mit islamischen Parolen wird übersetzt in:

Komplizierte Nahostsymbolik.

Frauen werden religiös kontrolliert und unterdrückt, heißt dann:

Kulturelle Praxis, die es achtsam zu begleiten gilt.

Das Schöne an dieser Methode ist, daß sie immer funktioniert. Man nebelt die Realität so lange mit schönen Worten ein, bis die eigentlichen Probleme nicht mehr zu sehen sind

Nun gibt es Studien. Das ist an sich schon unangenehm, denn Studien liefern Zahlen. Und Zahlen haben die lästige Eigenschaft, nicht falsch zu sein, nur weil man sie nicht gut findet.

In Deutschland sympathisiert ein signifikanter Teil junger Muslime mit anti-aufklärerischen Vorstellungen. Der Gottesstaat ist gewollt. Die Scharia soll über dem Grundgesetz stehen. Frauenrechte sind abzuschaffen. Sexuelle Vielfalt ist zu bestrafen.

Die Linke Antwort darauf: Wohliges Schweigen. Gelegentlich ein nachdenkliches “Das muss man im Kontext sehen.“ Aber, der Kontext sieht genauso aus.

Geschichtslehrer kürzen Unterrichtseinheiten zum Holocaust, oder meiden die Diskussion über Antisemitismus. Selbstverständlich aus Rücksichtnahme auf die spezifische emotionale Betroffenheit in heterogenen Klassenverbänden. Nicht, weil sie die Konfrontation in der Klasse, Elternproteste oder aggressive Reaktionen muslimischer Schüler befürchten.

Diese merkwürdige Allianz braucht keine gemeinsamen Ziele. Nur ein gemeinsames Feindbild. Die Linke bekämpft weiße Vormachtstellung und Cis-Heteros. Der fundamentalistische Muslim bekämpft aus völlig anderen Gründen, mit völlig anderen Zielen ebenfalls westliche Liberalität, sexuelle Freiheit und säkulare Ordnung. Der eine will mehr Diversitäts-Workshops. Der andere will die Scharia.

Der moralische Rabatt, den die Linke grenzenlos verteilt, hat das Problem, dass er nicht grenzenlos ist. Irgendwann muss man entscheiden: Wer zählt mehr, die lesbische Frau, oder der Islamist, der sie für ihre Lebensweise in die Hölle wünscht? Die Muslima, die das Kopftuch ablehnt oder die Gemeinde, die sie dazu zwingt?

In diesen Momenten zeigt sich, ob man Prinzipien hat oder nur Feindbilder. Die Linke hat sich entschieden. Das Sich-Gut-Anfühlen der eigenen Theorie hat Vorrang vor gesundem Menschenverstand.

Am Ende stehen die Verlierer dieser unsäglichen Allianz. Liberale Muslime, die für eine säkulare Gesellschaft eintreten. Und die von Islamisten als Verräter behandelt, und von der Linken als Störung des Narrativs ignoriert werden.

Queere Menschen, die in „bunten“ Vierteln leben, in denen Regenbogenfahnen auf Plakaten wehen. Und die nach Einbruch der Dunkelheit jedoch besser nicht vor die Tür gehen sollten.

Muslimische Frauen, die den Schleier als frauenverachtende Kontrolle empfinden. Die feststellen, dass ihre erniedrigenden Erfahrungen weniger zählen, als das Bedürfnis westlicher Linker sich kultursensibel zu fühlen. Kultursensibel. Ein schönes Wort für: Ich schaue respetkvoll weg.

Sie alle bräuchten eine Linke, die endlich mal Prinzipien über Identität stellt. Die sagt, Unterdrückung bleibt Unterdrückung, egal wer sie ausübt. Es braucht Menschen, die bereit sind zu sagen: Keine Religion steht über dem Gesetz, kein Kultur-Argument rechtfertigt Unterdrückung, Homohass, Antisemitismus oder Frauenverachtung.

Wer sich links nennt und diesen vorangegangenen Satz nicht mehr über die Lippen bekommt, ist nicht progressiv. Er ist regressiv nur mit zeitgemäßem Vokabular mit ordentlich viel Sprühnebel drauf. Das ist wie ein Rückfall ins Mittelalter in moderner Bio-Verpackung.

Vielleicht wäre der Anfang schon gemacht, wenn man wieder einen alten, völlig unmodernen Satz akzeptiert: Nicht jede Minderheit hat recht, nur weil sie eine Minderheit ist.

Manche wollen nicht emanzipiert werden, sondern herrschen. Und wer das nicht sagen darf, aus Angst vor dem Vorwurf des Rassismus oder aus ideologischer Betriebsblindheit, der hat nicht Toleranz bewiesen. Der hat kapituliert.

Aber zumindest mit freundlichem Ton.

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